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Die Notwendigkeit eines Konzepts

 

Mein Konzept der Betrieblichen Gesundheitsförderung und Mitarbeiterbindung

Die Reform beginnt  an der Spitze. Die Treppe muss von oben gekehrt werden. Hermann Simon, Wirtschaftswissenschaftler
 

In deutschen Unternehmen wächst der Druck zur Weiterentwicklung

  • Durch den Fachkräftemangel ist es besonders für klein- und mittelständische Unternehmen schwierig, qualifiziertes Personal zu finden und dauerhaft zu binden[i]. Umso wichtiger ist es, dafür zu sorgen, dass die vorhandenen Mitarbeiter leistungsfähig bleiben und evtl. auch später in Rente gehen möchten.
     
  • Digitalisierung und stetig steigende Anforderungen lassen den Stresspegel bei den Mitarbeitern weiter ansteigen.
     
  • Die Zahl der Beschäftigten mit psychischen Erkrankungen nimmt zu - 33 % der Bevölkerung sind jährlich von psychischen Störungen betroffen[ii] - Tendenz steigend. Häufigste Diagnosen: Angststörungen, Alkoholstörungen, Depressionen. Und: Jeder Zweite fühlt sich vom Burn-out bedroht[iii].
     
  • Der Führungsstil ist einer der häufigsten Gründe für eine Kündigung, sagt Jürgen Todt von der Hochschule Ludwigshafen: „Mitarbeiter verlassen oft nicht das Unternehmen, sondern die Führungskräfte“[iv].
     
  • Untersuchungen zeigen, dass sich jeder zweite Mitarbeiter über mangelnde Wertschätzung beklagt. Studien zeigen deutliche Zusammenhänge zwischen Arbeitszufriedenheit und körperlicher sowie psychischer Gesundheit[v].
     
  •  Den Einfluss von Führung auf die Gesundheit belegt die groß angelegte Studie „Führungskräfte nehmen ihre Fehlzeiten mit“, d.h. Fehlzeiten erreichten innerhalb weniger Monate eine ähnliche Rate wie in der Abteilung, die die Führungskraft verlassen hat – egal, ob sie versetzt oder ob sie befördert wurde[vi].

Eine Kultur der Betrieblichen Gesundheitsförderung und Mitarbeiterbindung und damit auch der gesundheitsförderlichen Führung hat in den meisten Unternehmen Entwicklungsbedarf.

Die Notwendigkeit eines Konzepts

Untersuchungen belegen, dass Unternehmen eine neue Kultur der Gesundheitsförderung und Mitarbeiterbindung brauchen um nachhaltig erfolgreich zu sein. Dies sei kein „karitatives Zuschussgeschäft“ für die Unternehmen, sondern ein Profit für die gesamte Gesellschaft[vii].

In meiner Tätigkeit in Beratung, Psychotherapie, Supervision & Coaching geht es oft auch um berufliche Themen meiner KlientInnen und deren Situation in Unternehmen. Dabei werden Zusammenhänge von persönlichen Krisen und psychischen Erkrankungen mit  der Situation am Arbeitsplatz deutlich. Dazu 3 Beispiele, die diese Auswirkungen aufzeigen:

  • Herr A., leitende Position, Diagnose: Erschöpfungsdepression.
    Konflikte mit einem Kollegen und Unklarheiten im Aufgabenbereich verstärkten die Angst, an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Nach einigen Gesprächen mit mir konnte er wieder arbeiten. Wenn er im Unternehmen Rückhalt für ein Gespräch mit dem Kollegen gespürt hätte, wäre er früher arbeitsfähig gewesen.

     
  • Frau B., 20 J. im Unternehmen, sehr geschätzt, überlegte zu kündigen, da sie mit den Anforderungen nicht mehr zurechtkam und neuerdings oft krank war. Ihr Arbeitgeber ermöglichte ihr drei Gespräche mit mir. Thema: Analyse des Problems und ihrer Bedürfnisse sowie die Vorbereitung eines Gesprächs mit dem Vorgesetzten. Später rief Frau B. mich an: sie hätte sich alleine nie getraut, sich so für sich einzusetzen und sehr froh sei über ihre Versetzung. So wolle sie gerne weiter arbeiten.
     
  • Herr C., Fachkraft, lange Krankheitsgeschichte, Diagnosen: Depression und Angsterkrankung. Mehrere Gespräche über seine Symptome, sein Verhalten und sein wachsendes Verständnis für die Entstehung seiner Beschwerden ließen ihn schnell Lösungen finden. Er sagte: „Wenn ich früher gewusst hätte, wo und wie ich Hilfe finde, hätte ich viel früher gesund sein können!“

Diese Beispiele stehen stellvertretend für viele Beschäftigte in Unternehmen und Organisationen, die nicht wissen, wo und wie sie Unterstützung in oft verzweifelten und lange bestehenden Situationen bekommen können. Auch Mobbing und Bossing[viii] sind keine seltenen Erscheinungen.

Die Vorteile einer Gesundheitsförderlichen Kultur im Unternehmen

Der Bundesverband der BKK hat in seiner Broschüre Gesundheitsmanagement u.a. folgende  Erfolge betrieblicher Gesundheitsförderung aufgelistet:

  • „Verringerung der Arbeitsbelastungen
  • Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter/-innen und Erhalt der Arbeits- und Leistungsfähigkeit
  • Steigerung der Arbeitszufriedenheit und Mitarbeitermotivation
  • Senkung des Krankenstandes und des Absentismus
  • Verbesserung des Arbeitsklimas
  • Erhöhung der Mitarbeiterbindung und –loyalität
  • Verringerung der Fluktuation
  • Verbesserung der Produkt- bzw. Dienstleistungsqualität
  • Verbesserung der innerbetrieblichen Kooperation
  • Erhöhung der Kundenzufriedenheit und Kundenbindung
  • Verbesserung der Flexibilität und Innovationsfähigkeit
  • Steigerung der Wirtschaftlichkeit und Produktivität
  • Verbesserung des Unternehmensimages (inkl. der Beschäftigungsattraktivität)
  • Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit“[ix].

Wenn Unternehmen also Wert legen auf Gesundheitsförderung - und damit auch auf Wertschätzung und die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter -  wirkt sich dies positiv auf ihr Engagement und die Bindung ans Unternehmen aus. Studienergebnisse belegen, dass sich eine gesunde Führung positiv auswirkt aus auf: „ … das Wohlbefinden (+30%), das Engagement (+19%), die Unternehmensleistung (+15%), die Kündigungsabsicht nimmt ab (-75%), das destruktive Engagement sinkt (-63%) und die Resignation auch (-52%). Bisher aber hat nur eine Minderheit der Unternehmen eine gesunde Führung etabliert: Ein „gesunder Führungsstil“ ist nur in 2 % der untersuchten Unternehmen sehr gut und in nur 22 % gut ausgeprägt[x].

Ein lernendes Unternehmen – was ist das?

Eine lernende Organisation ist ein Ort, an dem Menschen kontinuierlich entdecken, dass sie ihre Realität selbst erschaffen. Und dass sie sie verändern können.[xi]

Dabei steht der Mensch im Vordergrund, während die Leistungssteigerung für die Organisation ein positiver Nebeneffekt ist. Das Unternehmen soll durch geeignete Anpassungsprozesse in die Lage versetzt werden, sich entsprechend den ständig verändernden Bedingungen der Umwelt weiter zu entwickeln. „Lernen als lebenslanger Prozess“ ist in der Wirtschaft schon lange ein geflügeltes Wort – allerdings gibt es Nachholbedarf in Bezug auf die genannten psychosozialen Faktoren.

Führungskräfte haben eine Schlüsselposition

Zunächst braucht es ein Bewusstsein für den Zusammenhang von Arbeitszufriedenheit, Gesundheit und Engagement der Mitarbeiter mit dem Unternehmenserfolg und der Mitarbeiterbindung. Führungskräfte sind aufgefordert, sich ihres großen Einflusses bewusst zu werden. Dieses Verantwortungsbewusstsein ist die Voraussetzung für das Interesse am einzelnen Mitarbeiter, damit Verbesserungsbedarf offen angesprochen und reflektiert wird. Solche Wertschätzung für die Beschäftigten schafft Vertrauen und Sicherheit, die die grundlegenden Voraussetzungen für ein lernendes Unternehmen sind.

Bewältigungsressourcen

Im Lernenden Unternehmen wird die aktuelle Situation mit Verbesserungsbedarf als Anlass für Lernen und Entwicklung gesehen. Im Coaching findet eine Analyse des Lernbedarfs für eine gesundheitsförderliche Kultur und bessere Mitarbeiterbindung statt. Die nachfolgenden Aufgaben ergeben sich durch Reflexion, Visionen und Zielsetzung. Daran schließen sich passgenaue Maßnahmen der Weiterbildung an, z.B. in Bezug auf wertschätzende Führung, Stress- und Konfliktbewältigung, gelingende Kommunikation, Teamentwicklung, (psychische) Gesundheit etc.  In diesem Prozess ist Begleitung durch externe Beratung sinnvoll – mit einem systemischen Blick und den notwendigen Kenntnissen in Coaching und Weiterbildung.
Ein wesentlicher Baustein in meinem Konzept ist die Unterstützung für belastete Mitarbeiter durch meine Sprechstunde für individuelle Erste-Hilfe um (lange) Fehlzeiten zu vermeiden/verkürzen.

Der Gewinn

Mitarbeiter, die sich als Leistungserbringer und als Mensch wertgeschätzt fühlen, binden sich ans Unternehmen und gehen vielleicht sogar später in Rente.

Mitarbeiter mit besonderen Belastungen müssen nicht (so lange) krank sein.

Das lernende Unternehmen ist das Unternehmen der Zukunft, da es unter den Aspekten der Ökonomie und Nachhaltigkeit auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeiter UND damit auch auf die Gesundheit und den Erfolg des Unternehmens setzt. Ein positives Betriebsklima, das Leistung und Menschlichkeit sowie psychische und körperliche Gesundheit im Blick hat, fördert auch den Erfolg des Unternehmens. Durch diese neue Sichtweise werden die genannten Faktoren nicht mehr im Widerspruch gesehen, sondern es wächst das Verständnis für die gegenseitige Beeinflussung. Neu ist auch die psychosoziale Unterstützung für Organisationen und Betriebe durch externe BeraterInnen.

Unternehmen brauchen für diesen Erfolg ein UMFASSENDES KONZEPT der Gesundheitsförderung UND Mitarbeiterbindung und schaffen damit eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten!



[i] RZ, 10.10.2018.

[ii] Robert-Koch-Institut, 2012.

[iii] RZ,  9.04.2018.

[iv] Jürgen Todt, Hochschule Ludwigshafen, RZ 10.10.2018.

[v] Es wurden deutliche Zusammenhänge zwischen Arbeitszufriedenheit und körperlicher/psychischer Gesundheit gefunden. (Uhle, T., & Treier, M., 2013, Betriebl. Gesundheitsmanagement. Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt -Mitarbeiter einbinden, Prozesse gestalten, Erfolge messen (2. überarb. Aufl.). Springer, Berlin
RZ,  9.04.2018.

[vi] https://www.leadion.de/2016/04/16/fuehrungskraefte-nehmen-ihre-fehlzeitenrate-mit-in-ihre-naechste-stelle/  Zugriff 1.02.2019.

[vii] „BGF ist eine lohnende Investition und macht sich für Unternehmen bezahlt. Kosten-Nutzen-Analysen belegen einen Gewinn für das hier eingesetzte Kapital und somit einen positiven Return on Investment (ROI). Vor allem Studien aus den Vereinigten Staaten haben sich dieser Effizienzfrage angenommen und kommen in einigen Fällen sogar zu zweistelligen Erfolgsquoten. Nach einer aktuellen Studie unter Beteiligung des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK) tragen z.B. Programme der Gesundheitsförderung dazu bei, die Fehlzeitenrate um bis zu 36 % zu senken und in Bezug auf die Produktivität jeden hier investierten Euro zu vervier- bzw. zu versechsfachen.“ Aus: BKK Gesundheitsmanagement http://www.gesundheitsbewusster-betrieb.de/pdf/Auf_dem_Weg_zum_gesunden_Unternehmen.pdf, Seite 9, Zugriff 1.02.2019

[viii] Bossing meint Mobbing durch den Chef.

[ix] BKK, Broschüre Gesundheitsmanagement http://www.gesundheitsbewusster-betrieb.de/pdf/Auf_dem_Weg_zum_gesunden_Unternehmen.pdf, Seite 9, Zugriff 1.02.2019

[x] Bruch, H., & Kowalevski, S., Institut für Führung und Personalmanagement, Universität St . Gallen, https://www.compasso.ch/cm_data/de_Gesunde_Fuehrung_-_Wie_Unternehmen_eines_gesunde_Performancelkultur_entwickeln.pdf Seite 9. Zugriff: 5.01.2018

[xi] Peter M. Senge, The Fifth Discipline, prägte den Begriff der lernenden Organisation. Häufig wird in synonymer Verwendung auch von or­ganisationalem Lernen gesprochen.
 

Die Reform beginnt  an der Spitze. Die Treppe muss von oben gekehrt werden. Hermann Simon, Wirtschaftswissenschaftler
 

 
 
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